„Mit Speck fängt man Mäuse…“

Gemeinsame Kampagne von Hochschule Harz und Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt gegen unseriöse Jobangebote

Zu Dutzenden finden sich im Internet, in Printmedien, auf Plakaten oder Visitenkarten am PKW Anzeigen, die einen lukrativen Nebenverdienst versprechen. Da soll man bis zu 2.500 Euro monatlich durch Heimarbeit, Produkttests, Montage von Kleingeräten oder Werbung auf dem eigenen PKW verdienen können; scheinbar leicht verdientes Geld also. Zielgruppe solcher Angebote sind inzwischen alle Altersschichten unserer Gesellschaft. Und die dadurch Geprellten stammen ebenfalls aus allen Altersschichten.

Den sprunghaften Anstieg solcher Nebenjob-Offerten hat nun die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt zum Anlass genommen, eine umfassende Aufklärungskampagne zu starten. Und mit der Hochschule Harz gleich einen Partner in der Harz-Region gewonnen, der sich in der Pflicht sieht, auch breitenwirksame Aufklärungsarbeit zu leisten. Erster Standort der Plakatserie und des - zusätzlich in den Verbraucherberatungsstellen verfügbaren -  Informationsmaterials ist die Hochschule Harz in Wernigerode. Gemeinsam erläuterten Hochschulrektor Prof. Dr. Armin Willingmann und Justitiarin Gabriele Emmrich von der Verbraucherzentrale in Halle/Saale das Anliegen: "Die Methoden zur Anwerbung von Personen werden immer vielfältiger, die Chance auf einen seriösen Nebenjob wird immer geringer", so Gabriele Emmrich mit Blick auf zahlreiche Beratungsfälle in den Außenstellen der Verbraucherzentrale im Lande. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit werden hier gleichsam Geschäfte mit Angst und Armut gemacht, vor denen frühzeitig gewarnt werden muss, ergänzt Rektor Willingmann, der zugleich stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt ist: "In Anbetracht der Tatsache, dass wir es hier mit einer Grauzone in der Grenze betrügerischer Geschäftstätigkeit zu tun haben, ist es dringend geboten, die Zielgruppen dieser Lockangebote - Studierende wie übrige Bevölkerung -  zu warnen."

Dabei gibt es keine allgemeingültige Formel, wann ein Angebot unseriös oder gar kriminell ist. Es lassen sich aber einige charakteristische Merkmale feststellen, so Jurist Willingmann. Dazu zählen unrealistische Einnahmeversprechungen ebenso wie die typische Masche, von Interessenten zunächst eine beträchtliche Gebühr für eine Schulung, etwa ein Persönlichkeits-Entwicklungsseminar, oder für den Erwerb von Materialien zu verlangen, bevor überhaupt der vermeintliche Verdienst erzielt werden kann. Nicht selten sind Interessenten bereit, auf derlei Angebote hin Kredite aufzunehmen und sich wegen der Aussicht auf den vermeintlichen Verdienst erheblich zu verschulden. Ebenso ist es kritisch, wenn die neuen "Mitarbeiter" zunächst damit beschäftigt werden, weitere Interessenten zu werben, um auf diese Weise ein Vertriebsnetz nach dem Schneeballsystem aufzubauen. Seit dem Ausbau so genannter Telefonmehrwertdienste hat auch deren Missbrauch deutlich zugenommen, in dem Gespräche mit Interessenten beim Anruf unter einer kostenpflichtigen 0900-Rufnummer zunächst in Warteschlangen hingehalten werden, so dass allein durch diese Telefonate erhebliche Gebühren auflaufen. Solche Maschen lassen sich beliebig kombinieren und finden immer neue Opfer, weiß Gabriele Emmrich aus der Beratungspraxis der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt zu berichten.

Ziel der Kampagne ist es, auf die Unseriösität dieser Angebote hinzuweisen und zu warnen, um die geradezu garantierte Enttäuschung möglichst zu vermeiden, sagt Gabriele Emmrich. Dies auch deshalb, weil die Chancen, tatsächlich einen lukrativen Verdienst zu erzielen, ebenso gering sind wie die Aussichten, einmal gezahlte Gelder und Vorleistungen von den "Job-Anbietern" zurück zu erlangen, so Willingmann. "Bei derlei Abzockermaschen ist umfassende Prävention wichtig, weil das ‚nachträgliche Heilen’ kaum zufrieden stellend gelingt."

Ausstellung und Informationsmaterial sind in der Rektoratsvilla und zu ausgewählten Veranstaltungen auch im Foyer der Papierfabrik zu sehen. Weitere Informationen finden sich auf der Homepage der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt; Betroffene können sich auch an jede Verbraucherberatungsstelle wenden.

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